Die Photovoltaik-Branche in der Schweiz hat in den letzten Jahren ein beeindruckendes Wachstum erlebt. Getrieben durch die Energiestrategie 2050, steigende Strompreise und ein wachsendes Umweltbewusstsein hat sich die Solarenergie zu einer tragenden Säule der Schweizer Energiezukunft entwickelt. In diesem Artikel geben wir Ihnen einen umfassenden Überblick über die Branche – für alle, die ihren Solar-Einstieg planen.
Der Schweizer PV-Markt im Überblick
Die Schweiz hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Solarboom erlebt. Die installierte PV-Leistung wächst Jahr für Jahr und hat mittlerweile eine beachtliche Grösse erreicht. Solarstrom deckt einen zunehmend grösseren Anteil des Schweizer Strombedarfs.
Besonders bemerkenswert ist die Dynamik des Marktwachstums: Die jährlich neu installierte Leistung hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Dieser Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen, da die politischen Rahmenbedingungen günstig sind und die Technologie immer erschwinglicher wird.
Marktsegmente
Der Schweizer PV-Markt lässt sich in verschiedene Segmente unterteilen:
- Einfamilienhäuser: Das grösste Segment mit Anlagen von typischerweise 8 bis 15 kWp. Hier ist der Eigenverbrauch der Haupttreiber.
- Mehrfamilienhäuser: Wachsendes Segment, besonders seit der Einführung des Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch (ZEV).
- Gewerbe und Industrie: Grosse Dachanlagen auf Lagerhallen, Fabriken und Bürogebäuden mit hohem Eigenverbrauchspotenzial.
- Freiflächen und alpine Anlagen: Ein neues und kontrovers diskutiertes Segment, das durch den sogenannten «Solarexpress» politisch gefördert wird.
Wichtige Akteure der Branche
Die Schweizer PV-Branche besteht aus einem vielfältigen Ökosystem von Unternehmen und Organisationen, die den Solarmarkt prägen und weiterentwickeln.
Branchenverbände
Swissolar ist der Schweizerische Fachverband für Sonnenenergie und die wichtigste Interessenvertretung der Branche. Der Verband setzt sich für günstige Rahmenbedingungen ein, bietet Weiterbildungen an und organisiert Veranstaltungen wie die jährliche Solartagung. Für Einsteiger bietet Swissolar wertvolle Informationen und ein Verzeichnis qualifizierter Installateure.
Installateure und Planer
In der Schweiz gibt es hunderte von Solarinstallateuren – von kleinen regionalen Betrieben bis hin zu grossen überregionalen Unternehmen. Die Qualität der Installateure variiert, weshalb es wichtig ist, auf Zertifizierungen und Referenzen zu achten. Viele Elektroinstallationsbetriebe haben ihr Angebot um Solarinstallationen erweitert.
Energieversorger
Die lokalen Energieversorger (EVU) spielen eine wichtige Rolle im PV-Markt. Sie sind für den Netzanschluss zuständig, kaufen überschüssigen Solarstrom ab und bieten teilweise eigene Solarprodukte und Contracting-Modelle an. Die Einspeisevergütungen variieren je nach Versorger erheblich.
Forschung und Entwicklung
Die Schweiz ist ein wichtiger Standort für Solarforschung. Institutionen wie die EPFL, die ETH Zürich und das CSEM treiben Innovationen in der Photovoltaik voran – von hocheffizienten Zellen über Perowskit-Technologie bis hin zu gebäudeintegrierter Photovoltaik (BIPV).
Aktuelle Trends in der PV-Branche
1. Kombination mit Batteriespeichern
Immer mehr Solaranlagen werden mit Batteriespeichern kombiniert. Sinkende Batteriepreise und der Wunsch nach maximaler Unabhängigkeit treiben diesen Trend. Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauchsanteil typischerweise von 30% auf 60–80%.
2. Sektorkopplung
Die Kombination von Solarstrom mit Wärmepumpen und Elektromobilität gewinnt stark an Bedeutung. Diese Sektorkopplung maximiert den Eigenverbrauch und reduziert die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern in allen Bereichen des Haushalts.
3. Gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV)
Solarzellen, die in Fassaden, Dachziegel oder Fenster integriert werden, eröffnen neue Möglichkeiten. Schweizer Unternehmen sind in diesem Bereich weltweit führend und bieten ästhetisch ansprechende Lösungen, die auch in sensiblen Gebieten akzeptiert werden.
4. Digitalisierung und Smart Home
Intelligente Steuerungssysteme optimieren den Eigenverbrauch automatisch. Energiemanagementsysteme (EMS) steuern Wärmepumpe, Boiler, Batteriespeicher und Wallbox so, dass möglichst viel Solarstrom direkt genutzt wird.
5. Agri-Photovoltaik
Die Doppelnutzung von Flächen für Landwirtschaft und Solarstromerzeugung ist ein innovatives Konzept, das in der Schweiz zunehmend Aufmerksamkeit erhält. Erhöhte Module ermöglichen die landwirtschaftliche Nutzung darunter.
Regulatorische Rahmenbedingungen
Die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen haben einen grossen Einfluss auf die Entwicklung der PV-Branche in der Schweiz.
Energiestrategie 2050
Die Energiestrategie 2050, die 2017 vom Volk angenommen wurde, sieht einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien vor. Solarenergie spielt dabei die zentrale Rolle. Das revidierte Energiegesetz setzt ambitionierte Ziele für den Zubau von Photovoltaik.
Förderinstrumente
Die wichtigsten Förderinstrumente auf Bundesebene sind:
- Einmalvergütung (EIV): Einmalige Förderung von bis zu 30% der Investitionskosten für kleine Anlagen
- Hohe Einmalvergütung (HEIV): Bis zu 60% für grosse Anlagen ab 150 kWp
- Steuerliche Abzugsfähigkeit: Investitionskosten sind vollständig steuerlich absetzbar
- Einspeisevergütung: Lokale EVU vergüten eingespeisten Solarstrom, die Tarife variieren
Solarexpress und Solarpflicht
Der «Solarexpress» beschleunigt die Bewilligung grosser Solaranlagen, insbesondere im alpinen Raum. Zudem haben mehrere Kantone eine Solarpflicht für Neubauten eingeführt, was den Markt weiter ankurbelt. Diese politischen Massnahmen zeigen das klare Bekenntnis der Schweiz zur Solarenergie.
Herausforderungen der Branche
Trotz des positiven Wachstums steht die PV-Branche vor einigen Herausforderungen:
- Fachkräftemangel: Der schnelle Ausbau führt zu einem Mangel an qualifizierten Installateuren und Planern.
- Netzintegration: Die zunehmende dezentrale Einspeisung erfordert Investitionen ins Stromnetz.
- Winterstromproduktion: Die Produktion von Solarstrom im Winter bleibt eine Herausforderung, der mit alpinen Anlagen begegnet werden soll.
- Akzeptanz: Grosse Freiflächenanlagen stossen teilweise auf Widerstand in der Bevölkerung.
- Lieferketten: Die Abhängigkeit von asiatischen Modulherstellern birgt Risiken.
Zukunftsperspektiven
Die Zukunft der PV-Branche in der Schweiz sieht vielversprechend aus. Experten prognostizieren, dass die installierte Leistung bis 2050 auf über 50 GW anwachsen könnte. Die Kosten für Solarmodule und Speicher werden weiter sinken, während die Effizienz steigt. Neue Technologien wie Perowskit-Tandemzellen versprechen Wirkungsgrade von über 30%.
Für Einsteiger bedeutet dies: Der Einstieg in die Solarenergie wird immer attraktiver. Die Technologie ist ausgereift, die Förderungen sind grosszügig und die Branche ist professionell aufgestellt. Der beste Zeitpunkt für den Solar-Einstieg ist jetzt.